Ebeleben

Ebeleben – einige Streiflichter aus der Geschichte unserer Gemeinde-Partnerschaft

  • Ebeleben: dieser Name steht für unsere Gemeinde-Partnerschaft. So wie viele andere evangelische Kirchengemeinden unserer Landeskirche hat auch unsere Evangelische Kirchengemeinde Blaufelden nach dem Krieg eine Gemeinde-Partnerschaft mit einer Kirchengemeinde in der damaligen Ostzone begonnen. Die ersten Anfänge reichen wohl in das Jahr 1951 zurück. Damals bekam die Kirchengemeinde Blaufelden fünfundzwanzig private Adressen aus den Partnergemeinden Ebeleben und Rockstedt in Thüringen genannt. Das waren meist ältere Leute, zu denen nun eifrig Hilfspakete von unserer Gemeinde geschickt wurden. Es war noch die Zeit der „care“-Pakete, mit denen regelmäßig Milchpulver aus den USA kam. In unserem milchreichen Blaufelden war der Bedarf an Milchpulver nicht so groß, so wurde es gleich weiter in die damalige Ostzone geschickt. Anfangs packte man noch die Päckchen im Dekanat. Hier liefen die viele Gaben zusammen. So hatte man damals noch die sogenannten Brotkörbchen in den Kirchen aufgestellt, in die jeder Kirchenbesucher haltbare Lebensmittel oder andere Geschenke hineinlegen konnte. Andere brachten ihre Gaben direkt zum Dekanat. Im Dekanat achtete man auf das Höchstgewicht und auf eine gute Verteilung der Gaben an die fünfundzwanzig Adressen. Als Absender durfte freilich nicht das Evangelische Dekanat oder die Evangelische Kirchengemeinde genannt sein. Denn nur Päckchen von Privatpersonen an Privatpersonen konnten die deutsch-deutsche Grenze passieren. Dieser organisierte Adressentausch führte mit der Zeit zu echten Brief- und Päckchen-Freundschaften, so dass sich das Päckchen-Packen immer mehr in die Privathäuser verlagerte und Privatsache wurde.
  • Bis zur Wende blieben Besuche von und nach Ebeleben und Rockstedt die Ausnahme. Eindrücklich ist der Reisebericht von Dekan Lang aus dem Jahr 1974. In den achtziger Jahren fuhr der damalige Vikar Kaiser (1983-86 in Blaufelden) zusammen mit einigen Kirchengemeinderäte hinüber zu unseren Partnergemeinden. Als Gegenbesuch kam Superintendent Bär aus Ebeleben, freilich immer „bei der Vorbeifahrt“ nach Frankreich, für das er immer wieder eine Ausreisegenehmigung von den DDR-Behörden bekommen konnte. Unser letzte große Besuch während der „Mauerzeit“ fiel in das Wendejahr 1989. Im Sommer 1989 feierte die DDR ihr 40zig-jähriges Bestehen. Zeitgleich zu diesem Jubiläum besuchten einige Kirchengemeinderäte unsere Partnergemeinden, freilich ohne zu ahnen, dass beim nächsten Besuch alles anders sein wird.

  • Das Jahr 1989 brachte die große Wende und für uns den ersten großen Wandel in unserer Gemeinde-Partnerschaft. Im April 1990 kamen zum ersten Mal die Ebelebener und Rockstedter zu uns ganz ohne Grenzkontrolle. Für viele war der erste persönliche Kontakt etwas unsicher. Es überwog aber die Freude und das Glück über die Wiedervereinigung. Seitdem besuchen wir uns regelmäßig: jedes Jahr abwechselnd mit Besuch und Gegenbesuch. Diese regelmäßigen Besuche vertieften die alten Kontakte und ließen neue Bekanntschaften und Freundschaften entstehen. Es entwickelten sich richtige Familien-Freundschaften. Manche jetzt schon in der „zweiten Generation“.
  • Wenn man zurückblickt, dann kann man einen Wandel in unserer Gemeinde-Partnerschaft wahrnehmen. Am Anfang stand ganz eindeutig das Karitative im Vordergrund: Dass wir im Westen eben unsere Schwestern und Brüder im Osten materiell unterstützen und damit auch ein Zeichen der Verbundenheit setzen, das der Seele gut tut. Nach der Wende änderte sich das. Unsere Gemeinde-Partnerschaft war von einem gegenseitigen Entdecken und Staunen geprägt. Für uns war die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit unserer Schwestern und Brüder überwältigend und einmalig. Und sie bleibt es wohl. Denn diese gewisse Härte, die das Miteinander bei uns im Westen prägt, gab es dort nicht. Umgekehrt war für die Menschen im Osten der Westen mit seinen vielen materiellen Möglichkeiten in vielerlei Hinsicht einfach „unvorstellbar“.
  • Das gegenseitige nähere Kennenlernen war und ist eine bleibende Bereicherung. So haben wir Blaufeldener jetzt in den letzten fünfzehn Jahren mit eigenen Augen den Aufschwung im Osten erleben dürfen und sehen, was die Menschen dort alles leisten. Wie viel hat sich in dieser kurzen Zeit da geändert und wurde erneuert! Für uns als Besucher war am Auffälligsten das neue Straßensystem: Wie sehr hat sich da der Reisekomfort verbessert. Zugleich werden wir durch das, was wir sehen, und durch das, was wir erzählt bekommen, immer wieder erinnert, wie gut wir es hatten und haben. Bei uns ist so vieles selbstverständlich. Das gilt gerade auch für unser kirchliches Leben. Wir haben kein kommunistisches System erleben müssen, in dem das kirchliche Leben systematisch unterdrückt wurde.
  • Heute können wir von einer Normalisierung der Beziehung sprechen. Waren am Anfang hauptsächlich die Kirchengemeinderäte an diesem Austausch beteiligt, so beteiligt sich in der Zwischenzeit ein erweiterter Personenkreis. Auch die Jugend hatte sich bei den Besuchen 2005 und 2007 in Ebeleben und Rockstedt jeweils beteiligt. Eine nach der Wende hinzugekommenen Frau aus unserer Gemeinde, die nun auch an unserer Gemeinde-Partnerschaft teilnimmt, meint: Man kennt sich nun durch diese regelmäßigen Besuche so gut, wie man hier nach zwei Jahren gute Bekannte kennen würde, mit denen man sich regelmäßig trifft und mit denen man gute und vertrauensvolle Gespräche führen kann.
  • TH